…. diese langen Straßen an der Küste, immer geradeaus mit Wind und Regen. Mich erinnert das irgendwie an einen Bericht, den ich vor einiger Zeit gelesen habe. Ein Bikepacker, der sich auf seine Tour in Kanada vorbereitet hat. Er fuhr täglich mehrere Trainingseinheiten mit seinem Spinning Bike vor einer weißen Rauhfasertapete um sich mental zu stärken für diese langen Geradeausstrecken.

Ganz so schlimm ist es hier noch nicht, aber wir können den Ansatz jetzt nachvollziehen. Fangen wir von Vorne an. In Ringkøbing ging es erstmal nach einer guten Nacht mit viel Regen los. Wir lassen den Bahnhof nicht links liegen, sondern nehmen den Regionalzug nach Ulfborg, natürlich nur um auch mal die Dänische Bahn zu testen. Fahrzeit 30 Minuten, passt.

Von Ulfborg geht es wieder an die Küste, wir müssen bei Regen und Wind einen weiteren Damm queren vorbei an Thorsminde, links die Nordsee, rechts der Nissum Fjord und von Vorne Wind und Regen. Im Kopf tausend Gedanken treten wir jeder so vor sich hin immer geradeaus. Heute landen wir in Lemvig, direkt am LimFjord und bleiben nicht im vorher begutachtete Shelter, sondern nehemen ein Zimmer mit Blick auf den Fjord. Der Vorteil allemal, man kann sich hinlegen ohne sich vorher den Rücken zu verrenken 😉

Heute Morgen wachen wir auf, beide mit düsterer Stimmung, der Himmel ist verhangen und der Regen prasselt ans Fenster. So haben wir uns das wirklich nicht vorgestellt. Frustriert fangen wir an nach Bahnverbindungen zu suchen, die uns schnell wieder nach Hamburg bringen. Zunächst versuchen wir unsere Laune mit leckerem Kaffee und selbstgemachten dänischen Brüsseler Waffeln am Hotelbuffet aufzuhellen. Das Wetter sieht nicht gut aus, fahren wir nach Hause?

Beim Bepacken unserer Räder werden wir von unseren Zimmernachbarn ein interessiertes Ehepaar aus Ingolstadt angesprochen. Sie hätten uns gestern schon beobachtet, wohin wir denn reisen und woher wir kommen. Das war natürlich der Startschuss für uns, es sprudelten wie auf Kommando all die vielen Abenteuer der letzten großen Frankreich/Italien/Holland und Belgientour. Auch später liegende Abenteuer hatten wir natürlich parat von unseren „Heldenhaften“ Touren. Die beiden waren sehr beeindruckt und wünschten uns viele gute weitere Abenteuer. Wir schauten uns an!!!!!!

Was ist bloß los mit uns???? Ja natürlich sind wir die kleinen Helden und keine Quengelgeister – also Krönchen richten und weiter machen, denn es gibt tausend Gründe etwas nicht zu tun und nur einen es zu tun! Man lebt nur einmal. Wir werden uns doch nicht von Regen, Wind und den vielen kleine Wehwechen abbringen lassen. Danke liebes Ehepaar aus Ingolstadt, die dann auch hoffentlich unseren Tipp mit dem Ausflug in die Bretagne umsetzen werden. So hilft man sich gegenseitig 😉

Wir werden mit unserem neuen Tatendrang belohnt. Das Wetter hält sich, lange fahren wir mit Rückenwind vor den schwarzen Regenwolken her. Als sie uns dann einholte war ein Museum zur Stelle in dessen Vorraum wir im Warmen abwarten konnten.

In Thyborøn wartet eine kleine Fährfahrt auf uns und danach eine Dammfahrt durch ein Naturschutzgebiet. Wir können uns nich sattsehen. In Agger machen wir dann Pause, dort gibt es das lange erwartete Softeis mit Lakritzstreuseln. Dort treffen wir wieder auf sehr herzliche Menschen, ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen, das keine Mühe scheut und regelmäßig mit einem Stopp in Hamburg 800km fährt um in ihre zweite Wahlheimat zu kommen. Auch hier ist wieder großes Interesse für unsere Reisen und auch hier sind wir wieder bestärkt in dem was wir tun und wir sind echt dankbar für das, was wir heute erleben durften.

Und wenn wir bedenken, dass wir an dem Tag, an dem wir abbrechen wollten plötzlich 75km fahren und die schönsten Dinge sehen. Wie gut, dass wir weitergefahren sind. Heute Nacht bleiben wir in Nørre Vorupør, in einer Surfer Unterkunft und wir können sogar heute Abend noch auf dem Balkon sitzen. Wir sind gespannt wie es morgen weiter geht und stellen nochmal fest, dass auch gerade diese Begegnungen unterwegs viel auf so einer Tour ausmachen.

Ein Gedanke zu „Wir brauchen starke Nerven …

  1. Mal Held, mal Quengelgeist und nach Regen kommt Sonne. 💚 Wir freuen uns, dass ihr weiterfahrt – jetzt wird es doch erst wieder so richtig spannend.

    Gute Fahrt und ich bin neidisch aufs Dänische Softeis
    Tochter

    Ps. Wir haben ein Puzzle Motiv gefunden. Ein extra Puzzle nur für Papa. Extra-Progamer-schwer.

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