… so langsam sind wir zwiegespalten. Man weiß nie wie in Spanien die Wege beschaffen sind. Vor der Tour macht man eine Grobplanung. Wir versuchen uns an die Eurovelo zu halten. Dort gibt es veschiedene Ausbaustufen „in Planung“ (also nichts vorhanden), „bestätigte Route“ ( es gibt immer noch fast nichts), „bestätigte Route mit Eurovelozeichen“ (aber hier ist alles kein Problem) und „zertifizierte Route“ (in der Regel Asphalt und an jeder Ecke ein Cafe). Spanien hat Stufe 3 also mit Zeichen aber viele Teile sind für Fahrräder unpassierbar. Das macht die Planung der Tage sehr spannend, denn wir wissen immer nicht was kommt. So auch die letzten beiden Tage. So gibt es für uns auch jetzt die Eurowandern und die Eurobergsteigen. Beides mit Fahrrad und Gepäck äußerst unbequem.




Deshalb ist jeder Tag immer wieder eine Überrraschung und Herausforderung. Wir rollen aus Salamanca in Richtung Fuenterroble de Salvatierra. Der Track (im Navi können wir exakt sehen wohin wir fahren sollen) schickt uns schnell aus Salamanca heraus. Perfektes Fahrradwetter alles gut. Tolle Aussichten aber irgenwann geht der Track in die Wildnis. Sand, Steine acht Kilometer im Stundenschnitt. Dann wird nichts aus der Idee 75km am Tag.




Wir haben heute das Phänomen, dass nur ich von Scharen von Fliegen umgeben war und Ralf war völlig uninteresant ist für die Biester. Die spanischen Fliegen scheinen eine Spezialausbildung für Nase und Ohren zu haben also echt ätzend.




Episch hingegen sind die Ausblicke, die uns immer wieder friedlich stimmen obwohl wir eigentlich total genervt sind über die Umstände und die Anstrengungen – auf die man einfach nicht vorbereitet ist.


Wir finden in Guijuelo eine Unterkunft, essen köstlichsten Spargel – und haben wie sich am nächsten Tag herausstellt eine weise Entscheidung getroffen. denn heute fahren wir nach Baños de Montemayor.
Alles bergab nur ein „einziger kleiner Hopser“ 🙂 Wir rollen mit 35km locker die Strasse herunter Ankunft 12.15Uhr laut Navi – super denn wir wollen heute noch weiter. Wir waren um 15.00 Uhr da, den heutigen Wanderteil hatten wir vergessen. Erst bergab große Felsen und dann den Rest einer alten Römerstrasse steil bergauf(17% Steigung mit 20kg Gepäck). Hier geht wirklich gar nichts mit dem Fahrrad. Ausweichen, wie immer unmöglich. Es gibt halt schlicht keine anderen Wege. Dann wechseln wir die Region von Kastillien und Leon kommen wir nach Extremadura.



Auch wenn das damit nichts zu tun hat, extrem wurde auch der Rest des Tages. Traumhafte Ausblicke, alptraumhafte Streckenführung und viele km, einige Steigungen in die falsche Richtung und viele Steigungen in die richtige Richtung.




Dabei fühlten wir uns so pfiffig. Die Brückenbaustelle zu ignorieren, die Lage kurz zu checken und zu beschließen, man kann vorbei, denn es wird nciht daran gearbeitet. Alles geprüft- nächste Brücke auch in Ordnung! Wir sind berauscht von den sensationellen Ausblicken und fühlen uns wie richtige Abenteurer. Aber kurz vor Plasencia kriegen wir die Quittung für unseren Übermut. Der Zugang zur Stadt, ein Tunnel, verkettet und verrriegelt. Keine Chance ;-( also wieder die lange Trasse zurück.




Wir sind kurz davor die Räder abzupacken, durch einen Knick zu tragen und über eine Leitplanke zu heben, mitten auf einer Schnellstraßenbrücke, damit wir auf die einzige Zugangsstraße zur Stadt kommen – nicht umsetzbar. Wieder helfen uns freundliche Spanier und es ist erstaunlich, wie gut man sich ohne gegenseitige Sprchkenntnisse versteht. Das ältere Ehepaar unterbricht seine Hunderunde, um uns auf den richtigen Weg zu bringen, gibt diese Aufgabe kurz entschlossen an einen entgegenkommenden Mountainbiker ab, der uns mit viel Insiderwissen und zwei drei Geheimwegen auf die richtige Spur bringt, nämlich die besagte Schnellstraße, an der wir uns nach Plasencia mit den letzten Kraftreserven hochackern.


In Plasencia wird es noch kurz etwas schwierig eine Unterkunft zu finden, es ist ja auch schon kurz vor 21 Uhr und sowohl wir, als auch unser Navi sind überfordert. Es geht alles gut aus, wir haben ein frisches Bett und noch keinen Plan für morgen, aber egal – jetzt erstmal schlafen.
OMG. Bin ich froh. dass ich zu Hause geblieben bin. Ihr seid wirklich grossartig, muss mal gesagt werden. 🙂