… es passt heute ganz gut, dass wir bis 12 Uhr im Hotelzimmer in Podgorica bleiben können. So können wir noch in Ruhe einmal alle Taschen leeren, alles neu einrollen und eintüten – es fühlt sich an als ob wir eine neue Reise starten wollen, und so ist es ja tatsächlich auch ein wenig. Wir starten und gestalten unsere Rückreise.

Schnell sind wir am Busbahnhof in Podgorica, gespannt ob es jetzt wirklich klappt, dass die Räder mit in den Bus passen, wir rätseln welcher der vielen Busse kann es sein, der uns nach Durres in Albanien bringen soll und hoffen auf große Gepäckklappen, damit wir die Räder im Stück hineinschieben können und sie mit unseren Satteltaschen auspolstern können.

Der Bus fuhr auf die Minute ein – in unseren Augen schon mehr als proppevoll, wie soll das gehen? Der Fahrer war mürrisch aber auch festen Willens nichts und niemanden zurückzulassen. Er war eigentlich zu allen mürrisch aber nicht zu uns. Der Fahrer ist in unserem Alter alle anderen im Bus sind höchstens halb so alt wie wir. Engagiert werden Packstücke hin- und hergeschoben am Ende passt alles und nichts wackelt. Nachdem auch alle einen Stitzplatz haben geht die abenteuerliche Fahrt los. An der kroatischen/albanischen Grenze gibt es unglaublich viel Aufwand für Passkontrollen auf beiden Seiten. Es dauert eine ganze Stunde bis der Bus freigegeben wird Richtung Durres. So bekommen wir während der Fahrt im Bus durchs Fenster noch einen kleinen Eindruck von Albanien – sofort fällt auf, dass die Straßen schwere Schäden aufweisen. Ein Schlagloch kann schon mal 30-40 cm tief sein. Der schwer beladene Bus schwankt von rechts nach links, aber der Fahrer scheint jedes einzelne Schlagloch persönlich zu kennen.

Was uns noch beeindruckt, ist die Gestaltung der Straßenverkehrs: Je weiter wir nach Süden auf dem Balkan kommen, gibt es scheinbar immer weniger Regeln oder Ampeln. Es funktioniert irgendwie von selbst. Albanien ist dann die Krönung. Jeder fährt und geht irgendwie los. Es ist schwer zu beschreiben – im Kreisverkehr fährt jemand in die falsche Richtung, Autos stehen irgendwie quer und nicht in Reihen, sondern im Zickzack, Radfahrer bewegen sich in beide Richtungen, Fußgänger gehen einfach los ohne vom Handy hochzuschauen, am Straßenrand mitten in der Stadt eine Kuh und zwei Ziegen. Doch es geht, langsam bewegt sich alles und jeder kommt zurecht.

Unser besonderes Glück ist, dass der Busbahnhof direkt am Fährhafen liegt und auch die Sorge, wo wir dort dann alles finden war schnell unnötig. Sobald wir auf Abwegen waren, fuchtelte uns jemand freundlich lächeld in die richtige Richtung. Wir wirken zwischen den ganzen Lastern, PKWs und Motorräder exotisch und bekommen überall anerkennendes Lächeln und Unterstützung beim Abladen und Verladen. Wir schiffen ein um 19.30 Uhr und haben Zeit unsere Kabine mit unseren Satteltaschen ins Chaos zu versetzen, dann gehen wir an Deck und beobachten den Krimi über das Einschiffen von ca 50 großen Sattelschleppern und diversen PKW. Zwei Studen wird rangiert, gebrüllt, gepfiffen und mit Händen und Kellen gewedelt – unfaßbar, was die Fahrer leisten mit ihren riesigen Fahrzeugen.

Dann klappt die Luke zu, jeder Handgriff an Bord sitzt – Leinen los und ab geht es Richtung Italien.

Für uns heißt es, schlafen gehen und das zum Glück in einem richtigen Bett 😉 wir lassen uns in den Schlaf schaukeln und freuen uns auf den nächsten Morgen.

Auch hier war es wieder faszinierend zu beobachten wie schnell und professionell das Schiff geleert wird. Unsere Räder wieder mittendrin und nicht ohne Stolz schieben wir von Bord. Nun soll es Richtung Norden weitergehen.

Die Fahrt aus Bari war anstrengend aber nötig. Wir boxen uns durch an Autobahnzubringern und Kraftfahrstraßen vorbei um dann endlich auf die S159 Ruchtung Gravina in Puglia zu stoßen.

Scheint so als möchte Italien gleich richtig bei uns punkten. Diese Straße führt uns lange Zeit auf guten Wegen durch den Nationalpark Alta Murgia. Wir genießen den weiten Blick, die sanften Hügel und die bunte Vegetation. Was für ein Unterschied zu der karstigen Steinlandschaft der letzten Wochen.

In Gravina in Puglia übernachten wir mit Blick auf die Ponte Viadotto, eine beeindruckende alte 100m lange römische Brücke.

2 Gedanken zu „Mit der Fähre nach Italien …

  1. Ach wie schön…Italien. Und das Wetter ist auch noch gut. Es ist einfach atemberaubend eure Abenteuer zu verfolgen. Was für eine tolle Tour. Kommt gut nach Hause, ciao

  2. Wie wunderbar, dass ihr jetzt auf dem „Stiefel“. radeln könnt.
    Ihr liefert mal wieder hinreißende Fotos, bei deren Anblick man ins Schwärmen kommt. Mit Sicherheit wird ein Buch von euren abenteuerlichen Radreisen ein Riesenerfolg. Wenn ihr im Ruhestand seid, habt ihr ja Zeit genug dafür.
    Genießt die Zeit in Italien und verliert nicht den Blick gen Norden.
    Ganz liebe Grüße und viel Spaß 😉🌞

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