… bestes Fahrradwetter und einmalige Streckenführung auf der Vélidéale führen uns auch ab Coulon vorbei an großen Landwirtschaftsarealen. Trecker, die uns begegnen haben teilweise einen so hohen Radstand, dass man gefühlt unter durch fahren könnte. Alle nehmen Rücksicht und grüßen freundlich.



Dieser Landstrich hat zwar diesen super ausgebauten Radweg, der eigentlich Eurovelo Qualitäten hat, aber überhaupt keinen Tourismus. Wir machen uns Sorgen über unsere heutige Unterkunft. Im Vorwege hatten wir uns zwei, drei Möglichleiten herausgesucht, die sich leider sehr bald als Fehlinformation über Booking.com herausstellten. Telefonnummern waren nicht vergeben, Hotels waren geschlossen…




So radelten wir weiter in Richtung Chef-Boutonne, der nächste größere Ort (was man in dieser Gegend groß nennt Chef-Boutonne hat 2400 Einwohner), der einen Supermarkt und ein Café hat, in dem festen Glauben eine Unterkunft vor Ort zu finden.


Es wird kühl gegen Abend, wir stehen unverrichteter Dinge am Marktplatz von Chef Boutonne und können immer noch nicht glauben, dass nun tatsächlich das erste Mal die Situation eintritt, dass alle unsere geplanten Möglichkeiten nicht klappen und sonst im Umkreis von 50km sich keine andere Möglichkeit bietet. Der Bäcker, der Kioskbesitzer und der Barinhaber – keiner hat eine Idee wo wir schlafen können. So liebe Weltenbummler ob auf dem Rad oder mit dem Rucksack, „Funfact“ am Rande 😉 in einer solchen Situation fragt unbedingt den Friseur oder die Friseurin am Platz. Keiner wie diese, in diesem Falle die liebe Geraldine, kennt so viele Menschen, die jemand kennen, der jemand kennt. Sie gab keine Ruhe und telefonierte viele ihrer Kunden und Kundinnen an, um uns zu helfen.

So ergab sich für uns frierende Radler, dass eine Kundin von ihr an einem See ganz in der Nähre einen Platz hat mit kleinen Blockhäuschen, die eigentlich nur im Sommer vermietet werden. Aber weil sie helfen möchte, wird improvisiert, wir bekommen Wolldecken und können es uns dort für diese Nacht einrichten.
So sind wir nochmal davongekommen und machen uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Chanpagne-Mouton. Es wird langsam hügeliger und lässt ahnen, dass wir auf die Rhone-Alpes zusteuern. Die Landschaft ist superschön, die Wege mit ihren vielen Schotterstrecken werden anstrengend für Räder und Handgelenke. Wir kümmern uns heute schon gleich morgens um die Übernachtung und ich fühle mich langsam immer sicherer auch am Telefon französich zu sprechen.



So unterschiedlich wie es auf diesen Reisen immer ist, kommen wir heute in einer kleinen Gästewohnung an. Der Kamin ist in der Küche an und wir könnnen gemütlich unser Abendessen, das wir uns im Supermarkt gekauft haben verspeisen, so lässt es sich aushalten. Restaurants und Bars sind alle noch geschlossen.



Wir brauchen dringend eine erholsame Nacht und sind gespannt auf die morgige Veränderung der Landschaft um uns herum. Es geht weiter nach Südosten.
Guter Tipp mit dem Friseur. Wie schön, das ihr dort am See übernachten konntet. Wunderbar. 🙂
LG, Bettina