beim Weiterradeln am nächsten Tag reift dann so langsam der neue Plan. Wir kommen wieder in den Takt und die Traurigkeit vom Vorabend wird vom Fahrtwind beiseite geweht.

Wir werden heute ein wenig Radwanderung mit der Unterstützung von Regionalzügen des TER in Frankreich starten. In Avranches warten wir mit einigen anderen Fahrradfahrern auf den ersten Zug. Nach 70km Radfahrt ist nicht ganz klar ob der Zugschaffner alle Radfahrer mitnehmen wird. Wir sind wieder sehr begeistert von der Freundlichkeit, die uns begegnet. Die Ticketverkäuferin und gleichzeitig Chefin der Bahnstation setzte sich persönlich für uns ein, die Mitreisenden boten uns auch an, dass wir den Vortritt hätten, wenn nicht alle mitreisen könnten. Wir hatten gerade in Rouen ein Hotel gebucht. Schlussendlich sprang sogar noch den Zugbegleiter aus dem Abteil und half allen Radfahrern Räder und Satteltaschen irgendwie in den Zug zu stopfen. In Caen steigen wir noch um, damit wir heute Abend noch nach Rouen kommen. Hat fürs Erste schon mal gute geklappt.

Gut geschlafen und gefrühstückt geht es weiter mit unserer Tour nach Norden. Wir fahren Richtung Belgische Grenze mit dem Zug nach Lille, haben wieder netten Kontakt mit zwei Radlerpäarchen aus Holland. Uns ist jetzt klar, wir wollen noch einmal ein kurzes Stück am Nordseeküstenradweg verbringen. Ein bisschen verrückt, aber das Wetter ist gut und das Navi zeigt nur 68km bis Brügge an. Wir genießen wieder die Belgischen „Fahrradautobahnen“ und am frühen Abend erreichen wir Brügge. Wieder diese beeindruckenden Alleen an den Kanälen, eine ganz einfachen Unterkunft, gefühlt mitten auf dem Bahnhof von Brügge, ein Stück Pizza von Dominos und ein Bier in der alten Bahnhofskneipe, wir sind komplett tiefenentspannt und glücklich. Wir freuen uns auf die morgige Nordsee und die Fährfahrt nach Zeeland. Mit unglaublicher Gelassenheit warteten dort Radfahrer und Fußgänger bis zu drei Stunden auf die Überfahrt. Keiner drängelt, keiner pöbelt und Eiswagen und Pommesbude kamen aus dem Grinsen über das Geschäft des Tages nicht mehr hinaus. (2015 in der Nebensaison waren wir übrigens hier ganz allein auf weiter Flur)

Gerne wollten wir auf unserer Revivaltour auch wieder in Reneesse übernachten, vertun uns über die Irrwege bei booking dot com mit der Adresse und stellen erst bei Ankunft fest, dass wir jetzt nochmal 20km mit Gegenwind hätten zurückfahren müssen. Das bleibt uns erspart, weil wir in einem ausgebuchten Hotel vor Ort im Mitarbeiterzimmer übernachten dürfen. Das war allerdings nicht so schlimm wie man denken könnte. Wir hatten ein tolles Bett und eine Dusche, was wollen wir mehr, und wir hatten es jetzt und nicht erst später – und zurückfahren geht gar nicht.

Nun wollte ich im nächsten Step nach Zandvoort (120km oder davor, buchen wollten wir diesmal lieber vor Ort) Es war eine wunderbare Tour mit echtem Nordseewind von der Seite und von hinten. Wir fliegen mit dem Wind durch das Hafengelände um dann mit einer kleinen Speedfähre durch den Rotterdamer Hafen überzusetzen. Immer wieder nette Kontakte mit Gleichgesinnten.

In Katwijk aan Zee mitten in den Dünen haben wir unsere letzte Übernachtung, denn am nächsten Tag geht es von Zandvoort mit dem Zug nach Amsterdam. Wehmütig verabschieden wir uns von der See und der rauen Fünenlandschaft und sind nun unterwegs mit dem Zug nach Osnabrück und von dort aus nach Hamburg.

Statistik: vier Wochen, 1970km mit dem Rad, 900km Autofahrt inkl. Sightseeing in Frankreich und Anfahrtstour, 900km Bahnfahrt für den Rückweg 100% Erholung, wie wir in Frankreich gelernt haben: Decompression – Druckverminderung, Entspannung.

P.S. in Osnabrück steigt eine englische Familie hinzu auf dem Weg nach Dänemark mit Fahrrädern. Die erzählten begeistert von ihrer Radtour im letzten Jahr nach Patagonien, man zeigt sofort die Bilder und wir sind schwer begeistert 😉 ….

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