… wir sind schon wieder schwer überrascht von diesem Land. Es übertrifft alles, was wir noch vor 3 Monaten in unserer Sofaecke in verschiedenen Foren recherchiert haben. Und Fakt ist – man muss immer seine eigenen Erfahrungen machen.

Es geht um das Mythos – in Spanien ist es fast nicht möglich mit den Fahrrädern in der Bahn zu fahren.

Dem können wir nur bedingt zustimmen 😉

Wir sind von gestern schwer angeschlagen und kommen langsam in den Tag. So richtig aufraffen zum Start können wir uns nicht. Beide blättern wir auf den Seiten der RENFE, der spanischen Eisenbahn, ob es nicht doch möglich ist zumindest eine Station mit der Bahn zu fahren und dann nur noch den Rest der Strecke nach Cáceres auf den Rädern. Um die Mittagszeit soll ein Zug fahren, wir beschließen den Versuch zu starten trotz vieler Meinungen, dass man in Spanien auf Granit beißt bei der Fahrradmitnahme, außer es ist zusammengebaut in einer Transportkiste. Die Verlockung so rechtzeitig in Cáceres zu sein, dass man noch touristisch die 500 Jahre alte Altstadt besuchen kann ist groß.

Und wir müssen sagen: tipp topp. Der junge Stationsvorsteher der Bahnstation in Plasencia ist nicht schockiert von unseren beladenen Fahrrädern. Via Smartphone und Google translate kommunizieren wir gegenseitig, indem wir unsere Übersetzungen lesen. Es ist alles kein Problem, das Gepäck kann an den Rädern bleiben und wir brauchen nur in den Zug ebenerdig reinrollen. Wir freuen uns riesig. Nun galt es, noch knapp zwei Stündchen auf den Zug zu warten. Wir klappen unsere Stühle auf und freuen uns, die Beine etwas zu schonen, wir sind ganz alleine am Gleis. Der Zug scheint Verspätung zu haben, aber das stört uns nicht.

Kurz vor Abfahrt tritt plötzlich Unruhe unter den, inzwischen eingetroffenen, anderen Reisenden auf dem Bahnsteig ein, unser junger Bahnaufseher kommt stirnrunzelnd auf uns zu. Wir bekommen in Bruchstücken mit, dass der Zug nicht kommen wird. Es gibt eine Störung und es ist ein Busersatzverkehr eingerichtet. Wir schauen uns fast ungläubig und belustigt an. Kennen wir schon – es läuft nichts nach Plan.

Vor dem Bahnhof, in Begleitung unseres RENFE Mitarbeiters schüttelt der Busfahrer den Kopf deutlich, das verstehen wir auch ohne Übersetzung – es ist unmöglich, es passt nicht, wie soll das gehen.

Wir stehen in der Gluthitze, inzwischen sind es 33 Grad. Verständnis mit dem Busfahrer, der Bus ist sehr klein und komplett voll – und großes Bedauern für uns. Aber unser Freund der Bahnhofsvorsteher scheint uns nicht im Stich lassen zu wollen. Der Bus fuhr ab und er telefoniert wild fuchtelnd und gestikulierend und immer uns bittend etwas zu warten.

Er beendet sein Telefonat und kommt lächelnd zu uns, tippte in sein Google Translator:

Es werde ein Großraumtaxi kommen und uns zum nächsten Bahnhof bringen, schließlich wäre das ja die Verantwortung von RENFE und deswegen ist es auch komplett „for Free“ – wir sind sprachlos und können es noch gar nicht glauben. Erst als der große Mercedes DeVito am Bahnhof stand, in den mit 3 Mann und sportlichem Ehrgeiz unsere Räder und unser Gepäck vorsichtig eingeladen wurden, begreifen wir das Glückslos. Alle freuen sich als alles drin ist, klatschen ab und man verabschiedet uns herzlich.

So kommt es, dass wir nachmittags um 14.30 Uhr plötzlich in Cáceres am Placa del Mayor stehen, gerade mal 5km auf der Uhr haben und Zeit für etwas Sightseeing und Regenaration. Das Taxi ist mit uns die kompletten 85km gefahren ! Was für eine schöne Erfahrung, was für tolle hilfsbereite Menschen… Wir besichtigen die Altstadt, immerhin ein UNESCO-Weltkulturerbe als Mittelalterliche Stadt.

Ein Gedanke zu „Spanien sorgt wieder für Überraschung…

  1. Guten Morgen,was für eine unfassbare Geschichte und so ein schönes Erlebnis. Das beflügelt doch sicher eure Weiterfahrt, schon die Tatsache, dass ihr immer noch im Zeitfenster seid ist doch super.
    Weiterhin so schöne Momente und genießt die Fahrt.

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