… wir starten in Zafra, es geht weiter an der N630 und zwar wieder mit anspruchsvollem Gelände und Hand aufs Herz so ganz enthusiastisch sehen wir diese Strecke gerade auch nicht mehr.


Heute Nachmittag bleiben wir in Monesterio „hängen“, nach einer Stärkung wollten wir eigentlich noch 25km weiterfahren. Da die einzige Übernachtungsmöglichkeit am Zielort geschlossen ist, wir wollten telefonisch mittags reservieren, haben dies aber gelassen und den Rest des Tages genutzt um den weiteren Reiseverlauf zu planen.




Fakt ist, dass Spanien inzwischen für uns mehr eine Expedition als Radreise ist. Spanien ist wirklich sehr anspruchsvoll, was das Fahren angeht. Da wir oft der Eurovelo folgen und nicht nur Landstraßen fahren sind wir weit ab von Versorgungsmöglichkeiten. Es sind bis zu 36 Grad im Schatten (im Mai!) muss immer genug Wasser und Saft mit an Bord sein. Essen für den ganzen Tag. Wir prüfen abends die Windrichtung (Gegenwind?) und versuchen etwas über den Zustand der Wege herauszufinden. Ja und dann die Steigungen, damit kann man sich endlos beschäftigen. Wir müssen noch durch eine Gebirgskette (Spanien hat echt viele Berge) nach Andalusien, bevor wir an den Küstenbereich zum Atlantischen Ozean kommen. Ganz ehrlich – große Lust auf die ständige Anstrengung haben wir nicht mehr. Ist es dann aber geschafft – und der Tag endet mit einem Bett… die Landschaft und die Ausblicke sind unglaublich und in Bildern gar nicht darzustellen. Jeder Tag wird so zu etwas Besonderem.




In Monesterio starten wir unsere selbstgebastelte Strecke, abseits der Eurovelo 1 um den Streckenabschnitt nach Nerva noch zu schaffen. Diese Fahrt war, so fühlten wir, das Anstrengendste was wir je gefahren haben. Zeitweise waren wir echt verzweifelt. Die Landschaft war skurril, überraschend grün und voller Kontraste. Andalusien, nur um es uns zu beweisen bot noch rasantere Abfahrten, um uns dann gleich wieder hoch zu schicken. Es gab keine Leitplanken mehr, die Wege wurden schmaler und keine Art der elektronischen Navigation war hilfreich.




Der Wunsch abzubrechen und nach Hause zu wollen – die Frage: was soll der Mist – es wäre gelogen, würden wir behaupten spätestens heute kämen die Gedanken bei der hohen Belastung nicht auf. Im Stillen auch immer der Gedanke ob die Mail an die Herberge in Nerva angekommen ist, damit wir heute Abend in der einzigen Herberge weit und breit auch ein Zimmer bekommen.
Das ist nämlich in diesem Bereich Spaniens das Besondere. Die Besiedelung ist im Vergleich zu Hamburg (1qkm 2.500 Menschen) Extremadura (1qkm 25 Menschen) ziemlich gering 😉


Wir wissen durch die gestrige Planung, dass wir diesen langen schweren Tag noch schaffen müssen um endlich Richtung Küste zu kommen, endlch Spanien komplett durchquert zu haben.
Wir erreichen wirklich mit letzten Kräften den kleinen Ort Nerva, natürlich ist die Mail angekommen und wir schleppen unsere Taschen in den ersten Stock, völlig am Ende aber grinsend – geschafft!!!!! Leider können die Fotos die erlebte Landschaft nicht wirklich wiedergeben.

Wir finden in der Nähe eine Tapas Bar, bestellen von jeder Sorte eins und genießen die kleinen spanischen Häppchen mit Bier und Rotwein. Aufgeben – so sind wir uns jetzt einig, selbstverständlich keine Option.
Fast bin ich beim Lesen dieser geschilderten Strecke ins Schwitzen gekommen. Meine Güte, wenn ihr DAS hinter euch habt, kann ja nur noch alles besser werden. Ich wünsche es euch jedenfalls. Bin gespannt auf den nächsten Bericht. Alles Gute, ihr Lieben