… mit hoffnungsvollem Optimismus verlassen wir unser Hotel auf der Insel Brac, um zum Fährhafen Sumartin am anderen Ende der Insel zu kommen. Die Kroaten sagen es kommt Wind und man muss aufpassen in den Bergen.
Solche Sturmböen haben wir noch nie erlebt!!! Windböen mit Winstößen bis zu 120h/km machen uns das Leben schwer. Der Wind hat einen Rhytmus, kurz, lang und dann noch einmal ganz lang. Zuerst geht es auf einem Feldweg steil bergauf. Also schieben, kennen wir schon, Olivenbäume rechts und links viel Wind aber grundsätzlich kein Problem.


Bei knapp 300Metern Höhe geht es auf die Straße. Jetzt trifft uns die volle Wucht. Bergauf fahren geht gar nicht, bei kurzer Böe aufpassen, bei langer Böe Fahrrad festhalten, bei ganz langer Böe stehenbleiben und warten dass die Böe vorbeigeht. Bergab fahren geht wenn man kräftg tritt, bei den Böen absteigt, das Fahrrad hält und abwartet.


Für die ersten 6 km brauchen wir fast 2 Stunden. Wir waren langsam wirklich verzweifelt, dachten daran per Anhalter zu fahren, aber wer sollte uns schon mit dem ganzen Gepäck und den Fahrrädern unterbringen. Im ersten Dorf rasten wir und fragen in dem Dorfcafé nach Übernachtungsmöglichkeiten um den Sturmtag abzuwarten, die gibt es nicht, aber man kann ein Taxi organisieren. Der Taxifahrer und wir bringen irgendwie die Räder unter (die letzte Sitzreihe konnte nicht umgeklappt werden) gleichzeitig macht er uns aber wenig Hoffnung, dass bei diesem Sturm dir Fähre ans Festland überhaupt fährt.


Die Fähre fuhr aber, was wieder eine Herausforderung für uns war. Hätten wir nicht kurz vor Abfahrt ein finnisches Paar kennengelernt, glücklicherweise war er Schiffsbauer wären wir sicherlich sehr in Sorge gewesen. Er versicherte uns wie stabil diese alten Fähren gebaut wären, wir müssten uns keine Sorgen machen.


Gegen Abend erreichen wir Makarska. Einfach extrem wenn man am Hafen auf Höhe null steht und direkt hinter der Stadt sich eine Felswand von 1400Meter Höhe erhebt. Unterbrochen wird unser Staunen von der Frage eines älteren Herren „Sucht ihr eine Unterkunft?“ Wir hätten energisch nein sagen sollen, denn auf unser vielleicht legt er richtig los. Es ist billig, alles neu, er drei Internets (?), Klima, Garten und wenn einer schnorchelt zwei Betten und sein Sohn…und Solar auf dem Dach und einen billigen Supermarkt und wir sollen ihm einfach folgen und so ein Wetter hat er in über 70 Jahren noch nie erlebt, ob wir ihm das Geld gleich in bar geben können und zack saßen wir mit einem Schlüssel in der Hand im Souterain, der Garten sind zwei Topfpflanzen.




Man kann nicht immer gewinnen. Am frühen Morgen werden wir wieder durch massiven Regen geweckt. Die Laune ist am Tiefpunkt. Ralf sagt energisch, es langt- jetzt ich will nach Hause. Deprimiert schleichen wir zum Frühstück in eine Bar am Hafen. Bus, Zug, Flugzeug, von da nach da alles wird hitzig disskutiert. Wir sind dabei gerade den Weg zum Busbahnhof einzuschlagen, da kommt ein weiteres Paar in das Café, klitschnass aber fröhlich. Nach dem Frühstück treffen wir sie noch kurz. Kurzes Gespräch auf englisch. Als sie uns dann sagt, ja ganz schön anstrengend ich bin ja auch in der 14. Woche schwanger fällt uns nichts mehr ein. Birgit bringt nur noch hervor, das wird bestimmt ein kräftiges Kind. Danach schauen wir uns an und fahren weiter.



Als wir dann 5km weiter noch einen Herren in St. Pauli Sweatshirt treffen, der gerne mal eine Woche alleine sein wollte und uns versichert ab heute Nachmittag lockert es auf und morgen sind über 25 Grad, er kenne sich da aus!!! Ich überlege kurz, kommt er mir nicht bekannt vor? Ist er nicht der vom Wetter vor 20 Uhr?




So mehr Zeichen brauchen wir nicht, wir reißen uns zusammen, lassen uns nicht weiter einschränken von unseren Bedenken und fahren einfach los. Wir versuchen mehr Asphalt unter die Räder zu bekommen um nicht nur zu wandern.





Und es läuft, endlich mal wieder mehr als 10km ununterbrochen auf dem Rad, kein Wind mehr und nur noch ab und zu Regen und ein Wahnsinnsausblick. Wir fahren die Küstenstraße Richtung Dubrovnik, alles mit Kraftaufwand aber absolut fahrbar, hinzu kommen ab und zu ein Stück blauer Himmel und am späten Nachmittag klart der Himmel auf!!!!!!!




Wir erreichen unser heutiges Ziel Ploce mit strahlendem Sonnenschein. Ein Appartement für die Nacht ist schnell gefunden. Die Eurovelo führt uns morgen wieder auf einevorgelagerte Insel um die Küstenstraße durch das kleine Stück Bosnien-Herzegowina und somoit unnötige Grenzkontrollen zu vermeiden. Diese vorgelagerte Insel ist eine Halbinsel, von der aus wir dann ohne weitere Fährfahrt Dubrovnik ansteuern können.



Hallo ihr tapferen und mutigen Radler,
danke für den ausführlichen Erlebnisablauf. Man friert, zweifelt und leidet mit euch mit. Aber da gibt es dann die lichten Momente, wie den blauen Himmel oder eine glatte Straße und schon geht es weiter.
Ich hoffe am morgigen Tag scheint nur die Sonne 🌞
Herzliche Grüße ❤️
Ich bin froh von euch zu hören(lesen) Ich dachte schon, die Unwetter hätten euch erledigt. (na ja, war ja beinahe so) Was für grossartige Eindrücke ihr da noch geliefert habt. Meine Bewunderung habt ihr uneingeschränkt. Für jeden Kilometer, den ihr ab jetzt zurücklegt, wünsche ich euch nur noch Freude und Sonne.
Durchhalten!!! Nach Regen kommt Sonne und Ihr seid mega toll😊🥂
Dicken Knutsch von Susi € Stephan