…und irgendwie ist das auch gut so. Mit dem heutigen Tag bin ich noch einmal so an meine Grenzen gekommen, wie ich es selbst vom Marathon her nicht kenne, denn
dort wusste ich wenigstens wo das Ziel ist.
Wir haben Ceske
Budejovice (Böhmisch Budweis) heute morgen verlasen. Es ist grau und regnerisch und es fehlt uns an Motivation. Was für ein Unterschied zur Stimmung des gestrigen Tages, der uns gerade vorkommt als hätten wir ihn geträumt. Die Sonne ist weg. Und so entschließen wir uns kurzerhand die Bahn einzuschalten. Ein kleiner Regionalzug bringt uns nach Vyssi Brod, etwa 10
km vor der Grenze von Österreich. Von hier aus wollen wir direkt nach Linz fahren. Etwas ungeduldig ist man mit uns an den Fahrkartenschaltern, weil wir die tschechische Sprache nicht beherrschen. Beim zweten Versuch die richtige Verbindung für 2 Menschen und 2 Fahrräder zu erhalten, hörte ich nur noch ein forderndes „Kaaarrrrte!!!“ , die ich dann auch zusammenzuckend und willenlos auf den Tresen gab, damit wir dann schnell
verschwinden sollten. Irgendwie schüchterte mich alles ein, weil ich nichts verstand. In Vyssi Brod angekommen, starten wir sofort mit einem langen steilen Anstieg (von 500m auf 850m) es ist kalt und der Regen wird stärker. Wir kämpfen uns über einen stetig ansteigen Forstweg, oft schiebend durch bis Bad Leonfelden in Österreich. Dies war bestimmt früher eine Art Schmuggelstieg, sicher nicht für Fahrräder geplant. Die letzte Strecke müssen wir auf einer stark befahrenen Landstrasse zurecht kommen – und werden hier in Österreich das erste Mal angehupt,
so wie wir es auch aus Deutschland kennen. Das ist uns allerdings in Tschechien nie passiert. In Bad Leonfelden gibt es erstmal Kaffee mit Topfenstrudel bei Dauerregen. Wegen der Strapazen im Böhmerwald und der Passstraßen ohne Radwege, entschließen wir uns, den Rest der heutigen Strecke mit dem Postbus bis Linz abzuschließen.
Direkt am Donauradwanderweg finden wir unser heutiges Hotel. Morgen geht es dann von hier aus weiter.
Fazit Tschechien: Ja, es ist wirklich anstrengend! Ja, es ist kein Ausflugsradweg! Ja, die Verständigung ist kompliziert. Aber: die Natur ist allgegenwärtig und beeindruckend. Unsere Unterkünfte bieten Material zum Reden und schreiben für Stunden. Jeder Einkauf ist ein Erlebnis der besonderen Art. Die Eindrücke sind für uns neu und intensiv. Man begegnet uns mit Zurückhaltung, Skepsis, Unsicherheit aber auch mit aufgeregter Freundlichkeit – ein merkwürdiger Mix. Es gibt wirklich viele Details, die uns aber auch sehr glücklich gemacht haben und weder mit Worten noch mit Fotos wiederzugeben sind. Momentaufnahmen, die wir im Vorbeifahren mitgenommen haben. Wir haben uns sehr daran gewöhnt nur draußen zu sein!
Zwischendurch fühlten wir uns mit Tschechien überfordert in jeder Beziehung, jetzt zurückblickend sind wir sehr froh da gewesen zu sein!
Respekt, dass Ihr das geschafft habt. Und was die tschechische Sprache
angeht, auf jeden Fall weißt Du was „Gänschen“ auf tschechisch heißt,
was Euch natürlich nicht weiter geholfen hätte.
Viele Grüße
Bewunderung für euch beide, kann mir gut vorstellen, sich zu motivieren, wenn man an seine Grenzen kommt, aber ihr habt das bei der letzten Radtour auch erlebt, nur mit der Sprache war es wahrscheinlich besser. Ist eben ein Ostland. Viel Schönes und gute Radwege und Sonne in Österreich
mit lieben Grüßen