uns ist bewusst, dass dieser Tag anstrengend wird. Wir haben gut geschlafen und sind schon um 9.00Uhr startbereit. Die Steigungen heute sind enorm und der Wind schwer zu kalkulieren. Wir stocken unsere Vorräte an einem SuperSpin Markt auf und fahren in Muravera los und verlassen nun die Küste.


Dunkle Wolken lassen nicht Gutes erahnen. Egal. Nach ein paar Kilometern sind wir alleine in der Natur. Die Wolken sind heller, aber der Wind. Er kommt aus Nordwest beständig mit circa 30km und in Böen bis 75km. Genau unsere Richtung. Was das bedeuten kann merken wir auf einer langen Geraden. Eine Böe dauert laut Google maximal eine Minute. Bei 75km müssen wir absteigen Fahrrad festhalten und warten. So ist alles total langsam und anstrengend.



Dann kommen aber die Steigungen und diese retten uns diesmal, denn die Berge schirmen meistens den Wind ab. So fahren wir durch eine Gegend geprägt von Galerien (offene Tunnel), Tunnel, Brücken und Viadukten. Tolle Ausblicke, sensationelle Natur.






Auch diese meistern wir. Irgendwann sind es nur noch rund 5km bis zu unserer Unterkunft in Orroli. Ebene, der Wind hat das Maximum erreicht, wir müssen auf gerader Straße schieben. Völlig erschöpft kommen wir in der Unterkunft an, werden dort aber herzlichst begrüßt. Geschafft, abends im Restaurant essen und im Bett liegen wird gerade noch gehen.


Und genauso geht es am folgenden Tag weiter. Die Beine sind schwer vom Vortag und nach 10km stellen wir fest, dass diesmal unser Plan des heutigen Tages nicht zu schaffen ist. Wir hatten vor in Oristano anzukommen. Bei dem Wetter und der Landschaft nicht zu erreichen.
Leider fehlte uns heute auch der Blick für die Landschaft. Auf einem Supermarktparkplatz (geschlossen wegen Feiertag) beschließen wir die Route zu ändern. Die einzige Unterkunft, die es in der Nähe gibt bedeutet ein Schritt zurück in Richtung Süden. Zurück fällt uns grundsätzlich schwer, aber eine Unterkunft in erreichbarer Nähe, in Barumini, macht es nötig.
Zusätzlich sind wir beide nicht bei der Sache, immer wieder zwischendurch denken wir an Janina, die sicher gerade mehr kämpfen muss als wir. Als wir unsere Unterkunft erreichen, sind wir froh von den Rädern in den Windschatten zu kommen, einmal kein Geräusch zu haben.



Wenn man mit den Rädern den ganzen Tag extremen Wetterbedingungen ausgesetzt ist, anspruchsvolle Bodenbeläge befährt, viele Höhenmeter meistert dann ist das nicht nur für die Muskulatur anstrengend, sondern für alle Sinne und das Nervensystem. Das war jetzt seit drei Tagen alles gefragt, deshalb das dringende Bedürfnis zumindest einen Bereich wieder zu entspannen.
Aber entspannen tun wir uns schon in dem kleinen Familien geführten Lokal unserer heutigen Unterkunft. EIne Gruppe Motorradfahrer aus München und einige italienische Familien besetzten die Tische. Immer noch der ständige nervöse Blick aufs Handy.
Und da kam sie dann die Nachricht von Piet, der die Geburt des kleinen Leo bekannt gab. Janina hat uns zu Großeltern gemacht. Ich konnte meine Tränen nicht halten. Die anderen Gäste schauten fragend und Ralf sprang auf und rief „nonno!!!!!“ (italienisch für Opa) die italienischen Gäste applaudierten und riefen „viva la familla“ man erhob das Glas auf uns und es gab die besten Wünsche für die junge Familie in Aveiro.
Was für ein extremer Tag wieder. Wir fallen in die Betten, denken sehr an unsere Tochter und sind wieder einmal gespannt auf den neuen Tag. Wir lesen, der Wind soll deutlich ruhiger werden. Das wäre doch schon mal ein Anfang.
Dann war der Feiertag extra zur Geburt des Leo Guse. Passt! Ich gratuliere euch noch einmal herzlich und meine Gedanken sind auch bei den strahlend glücklich aussehenden Eltern. Wie schön das alles ist🤗