… so kommt es uns vor auf diesen Dämmen und Wegen durch das Po Delta.

Von Bottrighe geht es weiter Richtung Meer durch das Podelta, sehr verlockend zwischendurch die Hinweise nach Chioggia und Venedig, aber dieses Jahr geht es ja Richtung Süden. Ab hier verlassen wir nun auch den Poradweg bzw. die Eurovelo 8 und folgen der Cyclovia adriatica.

Was hier los ist zwischen Schilf und Grün, enorme Lautstärke von Vogelstimmen in Tonlagen, die wir nie vorher gehört haben. Immer wieder zwischendurch auch ein Vogel, der klingt wie eine Blechbüchse – der fiel uns auch schon in den Pappelwäldern auf. Klang immer so wie ein Warnschrei, da sind sie wieder die Radler….

Wir haben uns schon sehr auf die Fahrt durch die Feuchtgebiete Richtung Meer gefreut, leider benötigten wir hierfür einen kleinen Flusstransport, der wie wir zum Glück am Morgen noch feststellen, leider nur Samstag, Sonntag und Feiertags stattfindet wir haben heute Montag. Also planen wir um, natürlich wieder mit der Folge, dass deutlich mehr Tages KM anstehen. Ich merke so langsam meine Begeisterung schwindet und bin ganz traurig und enttäuscht von mir, dass ich die Schönheit und das Besondere der Region dadurch gar nicht so richtig schätzen kann.

Und das gerade heute, werden uns doch Flamingos präsentiert, die sich hier im seichten, salzhaltigen Wasser der Salinen aufhalten. Tausende rosa Flamingos leben hier inzwischen ganzjährig.. Möwen kommen auch hinzu und man riecht inzwischen förmlich das Meer.

Es gibt wieder kleine Abenteuer und Spezialwege, weil unsere Fährfahrt nicht stattfinden kann. Wir treffen Gleichgesinnte, 2 Franzosen (endlich mal wieder jemand, den man versteht und mit dem man sich unterhalten kann ;), einen Polen auf dem Weg nach Sizilien der nur analog also mit echten Karten fährt, ein bayrisches Paar unterwegs mit dem Wohnwagen, die Räder für Tagesausflüge dabei haben und ebenfalls ein Rentnerpaar mit Gravelbikes die das Podelta als 5-Tage-Reise in Richtung Ferrara durchqueren.

Das Thema Sprache möchte ich an dieser Stelle gerne noch einmal aufnehmen, immerhin sprechen wir seit 5 Wochen nur noch untereinander Deutsch. Extern nutzen wir halt hier in Italien hauptsächlich Englisch und die paar Höflichkeitsvokabeln auf Italienisch, die wir uns nach und nach aneignen. Große Freude tritt jedes Mal ein, wenn wir auf Franzosen treffen. Endlich versteht man mal wieder was und man ist ganz glücklich mal wieder ein Gespräch führen zu können (also Birgit 🙂 und obwohl es ja auch nur eine gelernte Sprache ist.

Hier hat es uns wirklich gut gefallen, eine Gruppe von Motorradfahrern reist mit uns gleichzeitig ab, ebenso rüsten sich andere, die diese Unterkunft als Standort für das Auto nutzen, um dann mit den Rädern die Umgebung zu erkunden. Das Paar mit Ziel Ferrara war schon unterwegs als wir noch beim Frühstück saßen – wir lassen uns Zeit. Wir stellen auch fest, in dem Moment, in dem du auf einer solchen Reise alle sportlichen Ambitionen ausschaltest und nur noch fährst, um voran zu kommen bist du im Radreisemodus angekommen.

Nur so kannst du die ganzen Widrigkeiten unterwegs annehmen und meistern. Wie war das noch heute, auf der Suchen nach dem Meer… und tatsächlich mussten wir uns den Anblick am Ende des Tages schwer erarbeiten.

Zunächst geht es wieder entlang langer Dämme, immer wieder über eigentümliche Brücken, um irgendwelche Seitenkanäle des Po´s auf dem Weg zum Meer zu überqueren. Danach werden wir durch ein Naturreservat navigiert, das man nur durch Schleusentüren betreten und verlassen konnte und das Vorankommen durch tiefen Sand nur noch durch Schieben möglich war.

Bei der letzten Brücke, die uns über den Lido di Volano am Strand entlangführen sollte, verließ uns dann wieder einmal das Glück, und Ralf sagte vorher noch, jetzt bei den letzten 2km kann ja nichts mehr passieren 😉

Ich sag nur: Deviazione und Volano Ponte Demolito – Umleitung Brücke defekt, auch ohne viel italienisch Kenntnisse sehr „verstehbar“, aber nicht einsehbar und leider aber auch nicht änderbar…

Ein italienischer Radler gibt uns Zuversicht und begleitet uns zur Umleitung, die für heute immerhin ein plus von 20km und die Nutzung einer Schnellstraße bedeutet. Trotzdem sind wir angespannt und kommen mit den neuen Herauforderungen des jetzigen Streckenabschnittes so schnell nicht klar. Die italienischen Schnellstraßen haben zwar einen Seitenstreifen, fordern aber dennoch Nervenstärke, weil die LKWs so schnell an uns vorbeipreschen. Nicht nur die Lautstärke stresst, sondern einfach die körperliche Nähe von so viel Maschine. Die Sorge, dass es jetzt nur noch so weitergeht haben wir beide.

Vielleicht ist es auch zu viel erwartet und ging uns beim Start nach der Frankreichdurchquerung und Ankunft in der Poebene in Italien ähnlich, dass wir Anlaufschwierigkeiten haben die Veränderungen anzunhemen. Nun haben wir Italien an seiner breitesten Stelle durchquert um von Norden nach Süden durchzustarten, die 3. Reiseetappe steht vor uns. Wir bleiben zuversichtlich und sind gespannt wie wir den Weg non Norditalien nach Süditalien erleben werden.

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