…wir verlassen Gravina in Puglia – diese verwinkelte und in mehreren Ebenen liegende Altstadt und fahren mit seichten Senken und Höhen in eine Talebene. Der Track führt uns auf eine seit 1993 ausrangierte Landstraße, sie ist offiziell aus dem Verkehr gezogen und die Benutzung auf eigene Gefahr seit es die daneben liegende Schnellstrasse gibt.

Wir werden mit traumhaften Ausblicken und zauberhaften bunten Blumen und Kräutern am Straßenrand belohnt. Es duftet und brummt von den vielen Insekten.

Bald wird es nötig, dass wir aufmerksamer werden. Schlaglöcher kann Italien offensichtlich auch sehr gut 😉 wir müssen achtsam sein auf dieser ausgedienten Straße. Manchmal erscheint sie wie eine Geisterstadt mit ihren ausgedienten Straßenschildern.

Die Krönung war dann unser erstes Erlebnis mit Sumpfgebiet in der Kombination mit lehmigem Boden. Mutig kämpften wir uns durch den Morast, immer auch mit Sorge um Schlangen oder dass die Räder stecken bleiben. Fasst bis zur Hälfte sind sie eingesunken und wir fast bis zu den Kniekehlen. Das erzählt sich hier so locker, war aber echt grenzwertig. Die Räder sind total verdreckt. Bei über 35 Grad in der Sonne trocknet der Lehm schnell und wird hart wie Zement. Bremsen gehen nicht richtig, Räder drehen sich vor lauter Lehm unterm Schutzblech fast gar nicht mehr. Mit Schraubenzieher und Korkenzieher haben wir in der prallen Sonne alles mühsam wieder freigeklopft, damit es einigermaßen weitergehen konnte. Zu allem Überfluß gibt es hier auch unendlich viele Mücken, und wir selbst sehen auch nicht so toll aus 🙂 Birgit versucht in einer Riesenpfütze zumindest das Gröbste abzuwaschen.

Wie eine Oase kam uns kurz danach ein Campingplatz vor, der an dieser Straße lag an der die letzten 50km gar nichts war. Hier hatten wir dann schnell Schatten, Getränke, nette Worte und „la fontana“ mit der wir dann gerne uns, die Räder und die Schuhe reinigen durften. Wieder mal Glück gehabt!!!

Wir übernachten in Venosa in einem Handwerkerhotel mit Restaurant mit Kindergeburtstag. Hier tobt das Leben. Es gibt Pizza aus einem riesigen Pizzaofen – wir könnten unseren Tracks immer so weiter folgen, Tag für Tag. Wir brauchen einen neuen Plan für den Weg nach Hause, weil die Überschwemmungen an der Ostküste Italiens die gesamte Bus und Bahnstruktur total durcheinander gebracht hat.

Es bleibt der Weg über die Westküste. Wir entdecken die sehr komfortable APP von trenitalia und den kleinen Bahnhof in Melfi. Der bringt die Initialzündung für unseren Weg nach Norden. Selbstverständlich ist der Weg dorthin noch einmal so richtig gespickt mit Anstrengung, Ausblick und Aufregung. Unvergesslich!!!

In Melfi fängt unser Regionalzug Hopping in Italien an. Wir sind schwer begeistert wie problemlos das alles geht: Barrierefreie Bahnhöfe, Platz für die Räder ohne sie abpacken zu müssen.

Von Melfi geht es nach Potenza und mit reibungslosem Anschluss nach Salerno, einer Hafenstadt vor Neapel. Wir finden ein Bed and Breakfast in der Nähe des Hafens und des Bahnhofs leider sehr spät und mit vielen Stufen. Aber wieder ein Abendessen, ein gutes Bett und Croissant und Espresso am Morgen, was wollen wir mehr.

Am nächsten Morgen schnell wieder zum Bahnhof. Es geht nach Neapel, der Umstieg ging problemlos, weil Neapel ein sogenannter Kopfbahnhof ist. Es ist alles auf ebener Erde erreichbar und somit auch unser Anschluss nach Rom. Leider werden wir auch in Rom nur den Bahnhof kennenlernen, übrigens auch ein Kopfbahnhof 😄, der aber soooo voller Menschen war, so viele haben wir in den letzten zwei Jahren nicht gesehen. Offensichtlich aber ein Chaos, das funktioniert und genau nach Plan sitzen wir um 16 Uhr im Zug von Rom nach Pisa. Dieser Zug ist bis unter die Decke voll.

So und jetzt sind wir hier in Pisa, gefühlt raus aus dem Urwald, ausgespuckt in die Zivilisation. Wie es jetzt genau weitergehen soll wissen wir auch noch nicht. Aber immerhin sind wir schon 700km nördlicher.

2 Gedanken zu „Wir fahren auch im Sumpf …

  1. Das sind ja Erlebnisse die einem Gänsehaut bereiten, aber zum größten Erstaunen erschließen sich Möglichkeiten einen Weg aus dem Dilemma zu finden, und nebenher auch noch wunderschöne Momente zu erleben.
    Weiterhin viel Glück und Freude an eurer wunderbaren Reise und Rest Energie für alles was noch kommt.
    Viele gute Gedanken begleiten euch. ❤️🥰

  2. Puhhh, war das anstrengend mit euch. Nun bleibt noch, euch eine gute Heimfahrt zu wünschen. Danke für die schöne Tour, Ciao

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